Einige Vorträge handelten von der oft schwierigen Situation, denen die Frauen hier in Äthiopien gegenüberstehen. Ich bin mir sicher, dies ist nicht nur in Äthiopien so, aber hier wurde es mir deutlich vor Augen geführt.
Hier einige Fakten in der Übersicht:
75% der Landarbeiter sind Frauen
Die Rolle der Frau in der Wertschöpfung während der Kaffeeproduktion ist groß, der Gewinn und die Autonomie ist gering
Nur 10% der 140 Kaffeeexport-Firmen in Äthiopien werden von Frauen geleitet
Die Kaffeezeremonie ist meist die einzige Freizeit für die Frauen auf dem Land – Kaffee hat daher nicht nur eine ökonomische, sondern auch eine soziale Funktion
Es ist schwer für Frauen an Kredite zu kommen, um eine eigene Farm zu unterhalten. Daher bleiben sie oft in Abhängigkeit von ihrem Mann oder der Familie
Zurzeit gibt es schon hiesige Bemühungen, durch eine spezielle Organisation den Frauen zu helfen. Ich werde versuchen, mich diesbezüglich auf dem Laufenden zu halten.
Nach dem gestrigen langen Flug ist nun der erste Tag in Addis Abeba vorüber.
Viele Eindrücke, viele Informationen zum Land und im Speziellen über Kaffee.
Insgesamt gab es heute 18 Vorträge, viel Input zum Verabeiten, aber langsam versteht man, wie der hiesige Kaffeehandel funktioniert.
Leider ist die Internetverbindung hier nicht sonderlich schnell, daher gibt es erstmal nur zwei Fotos, eins mit der Aussicht von meinem Hotelfenster und das andere vom Eingang zur Konferenz.
Abschließend bleibt mir nach den ersten Eindrücken nur zu sagen: Beeindruckendes Land und beeindruckende Menschen.
Durch die bald anstehende Reise nach Äthiopien, beschäftige ich mich schon im Vorfeld mit Land und Leuten.
Dabei stößt man unweigerlich auf die äthiopische Kaffeezeremonie, die stark in der äthiopischen Gesellschaft verwurzelt ist und bis zum heutigen Tag nach traditionellem Ritual verläuft. Bis zu vier Stunden kann die Zeremonie dauern und trägt zur familiären Zusammengehörigkeit, aber auch gastgeberischen Höflichkeit bei.
Ich hatte das Glück, hier in Hamburg, schon mal eine Kaffeezeremonie live zu erleben. So wie es die Tradition bedingt, wird die Zeremonie ausschließlich von Frauen durchgeführt. Die Äthiopierinnen haben uns am Tag des Kaffees 2007 einen sehr leckeren, wenn auch kräftigen Kaffee, zubereitet.
Ich hoffe natürlich, dass ich die Gelegenheit haben werde, vor Ort einer Kaffeezeremonie beizuwohnen. Dann werde ich ausführlich darüber berichten.
Bis dahin lege ich allen Interessierten folgendes Video ans Herz:
Äthiopien, Geburtsland des Kaffees und eines der afrikanischen Länder, das sein Los selbst in die Hand nimmt.
Hintergrund:
Die äthiopische Regierung und weitere Beteiligte haben im Jahr 2008 die ECX gegründet. ECX steht für Ethiopia Commodity Exchange, was auf deutsch eine Warenbörse (Produktenbörse) bezeichnet.
An der ECX werden verschiedene Agrargüter gehandelt, u.a. Kaffee, so dass Bauern ihre Güter an der Börse abliefern können, die dort anschließend zu einem festgesetzen Preis verkauft werden. Dies ermöglicht transparente Preise für Käufer und Verkäufer.
Mit Einführung der ECX hat sich viel im äthiopischen Kaffeehandel geändert, denn die ECX, so wie sie derzeit besteht, hat sowohl auf die Qualität als auch auf die Verfügbarkeit des Kaffees einen großen Einfluss ausgeübt.
Die Einführung der Börse hat für viel Gesprächsstoff in der Kaffeewelt geführt. Denn der ursprüngliche Nutzen – den Farmern in Äthiopien mehr Macht und ihnen die Möglichkeit zu geben ihre Produkte zu fairen Preise verkaufen zu können – ist zwar teilweise aufgegangen, aber durch die teils sehr restriktiven “Gebote” der Börse wurde in Fachkreisen von drastischen Einbrüchen im Kaffeeexport gesprochen.
Auswirkungen:
Für die Bauern bedeutet es teilweise bessere Erlöse für ihre Produkte. Dies trifft aber anscheinend hauptsächlich für andere Agaraprodukte als den Kaffee zu.
Für Importeuere und Röster macht dies, überspitzt ausgesprochen, die Verfügbarkeit der Sorten-Vielfalt zu nichte. Natürlich muss man erwähnen, dass diese Aussage unter der Prämisse des Spezialitätenkaffees gesehen werden muss. Die gute Nachricht ist, es wird an der Situation gearbeitet und es wird neue Wege geben, die hoffentlich zu aller Zufriedenheit beitragen. So ist eine “Direct Trade” Initiative angedacht, also direkter Handel “ausserhalb” der Börse.
Vor Ort:
Frei nach dem Motto “wenn einer eine Reise macht, dann hat er viel zu erzählen” werde ich kommende Woche nach Äthiopien reisen.
Die Reise soll dazu dienen ein besseres Verständnis für die dortige Situation zu bekommen, und um nicht immer nur auf Berichte aus zweiter Hand angewiesen zu sein. Ich werde in Addis Abeba an einem “Roundtable” teilnehmen, der lokale Interessensgruppen und externe Händler und Röster an einen Tisch bringt.
Anschließend führt mich die Reise noch zu den Kaffeeplantagen im Sidamo Gebiet.
Weitere Einzelheiten und Berichte zu diesem Thema folgen.
Zusätzliche Informationen:
Als Einstieg habe ich folgendes Video von einem TED Vortrag eingebunden. Der Vortrag wird von Eleni Zaude Gabre-Madhin gehalten, Mitbegründerin der ECX.
In den ersten 10 Minuten geht es um historische Vergleiche, um Beispiele von Börsen und um die Entwicklung Gesamtafrikas. Die letzten 10 Minuten handeln von der Ethiopia Commodity Exchange.
Ende Januar wurde die deutsche Baristagilde gegründet, wie man in den Blogs der Gründungsmitglieder u.a.Kaffi Schopp und bei Radical Coffee nachlesen kann. Das Schöne ist: Mitmachen kann jeder! Weitere Informationen dazu auf den genannten Blogs.
Das positive Gefühl, was die Baristawelt in Deutschland betrifft, hat mich also nicht getäuscht und unterstützt damit meine Vorahnung, die bei meinen Voraussagungen aufgeschrieben hatte.
Eine kurze Erläuterung für diejenigen, denen der Begriff des Baristas nicht so geläufig ist. Was ein Barkeeper für die Cocktailbar ist, dass ist ein Barista für die Espressobar. Ursprünglich aus Italien stammend, hat sich der Begriff weltweit etabliert, der den “Kaffeekünstler” hinter der Kaffeetheke beschreibt.
Hatte der Barista ursprünglich “nur” die Aufgabe leckeren Espresso, Capuccino etc. zu brühen, so kommt ihm/ihr heute eine viel größere Aufgabe zuteil. Denn nicht nur Röster, sondern im Speziellen auch die Barista sind dafür verantwortlich, dem Kunden die Qualitätsmerkmale eines guten Kaffees nahezubringen. Und gerade weil der Barista einen engen Kontakt mit dem Kunden hat, ist es wichtig, dass sich die Barista auf gemeinsame Ziele und Verhaltensweisen einigen. Damit schon mal viel Erfolg und gutes Gelingen den Mitgliedern der Baristagilde.
Ich wünsche mir, dass die Baristagilde sich folgenden Ziele “auf die Fahne” schreibt:
Für die Qualität des Kaffees einstehen
Kunden ihr Wissen vermitteln
Über den Tellerrand des Espresso schauen
Freude am Kaffee leben
Das Gründungstreffen scheint sehr gut gelaunt gelaufen zu sein, was mich zuversichtlich stimmt und auf zukünftige Taten gespannt macht.
Übrigens gibt es in den USA seit letztem Jahr eine Baristagilde , mit dazugehörigem Blog.
Vielleicht gibt es ja Überlegungen ein kleines “Austauschprogramm” zu initiieren, was zur Vermittlung und besseren Verständnis zwischen verschiedenen Kulturen und Gilden dienen kann.
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