In der aktuellen Ausgabe des schweizerischen CREMA Magazins ist ein Artikel über meine Reise nach Äthiopien zu finden.
Ich habe dort die Erlebnisse meines Aufenthaltes in Addis Abeba und dem anschließenden Cupping Caravan festgehalten.
Dieser Artikel wird auch in der deutschen Ausgabe im September erscheinen. Also können sich auch die hiesigen Leser auf den Artikel freuen.
Aufgrund des Artikels konnte ich damals, direkt nach der Rückkehr aus Äthiopien, leider auch nicht allzuviel über die Reise preisgeben.
Sobald der Artikel auch in Deutschland veröffentlich ist, kann man entweder den Originaltext genießen oder meine leicht geänderte Variante hier im Blog lesen.
Man darf also weiter gespannt bleiben – außer die Kaffeefans in der Schweiz natürlich
Ich habe einige Reiseführer als Vorbeireitungslektüre für meine Äthiopien Reise gelesen. Da gibt es natürlich die klassischen Reiseführer, die ausreichende Informationen über Sehenswürdigkeiten, Reiserounte etc. bieten. Aber ein Buch mit kleinen Geschichten über das Leben und die Leute eines Landes ist manchmal schwer zu finden.
Ich habe glücklicherweise eines für Äthiopien gefunden, dass ich gerne empfehlen möchte. Es hat nur 90 Seiten und dient daher als leichte Reiselektüre, um sich auf Äthiopien einzustimmen.
Zum Buch: “Äthiopien – Zwischen Himmel und Erde”
Bernd Bierbaum, Ethnologe und moderner Normade, schildert das Leben in verschiedenen Regionen Äthiopiens so lebhaft, dass man sich sofort wünscht, dort hingebeemt zu werden. Im Inhaltsverzeichnis findet man: Addis Abeba, Bati, Lalibela, Debre, Damo, Yeha, Gondar, Tana, Ghion.
Es ist sicherlich kein “normaler” Reiseführer, aber als Zusatzlektüre oder einfach nur zum Träumen von fernen Ländern gewiss ein Leckerbissen.
Wichtig: Die veröffentliche Empfehlung ist ein Partnerlink (Amazon.de). Das bedeutet, dass ich eine kleine Provision bekomme, falls ihr darüber das Buch bestellt – ihr bezahlt aber keinen Cent mehr.
Nach den Texten nun ein kleines Video von meiner Äthiopien Reise, welches nicht nur den Roundtable und den Cupping Caravan zeigt, sondern auch wie ich einen Kaffeebaum pflanze. Bin mal gespannt, wann ich den Baum wieder sehen werde und wie groß er dann geworden ist.
Bevor ich über die Details und Erkenntnisse der Äthiopien Reise berichte, wollte ich noch einen kurzen Überblick zum Reiseverlauf geben.
Nach meiner Ankunft am 17. Februar in Addis Abeba fand der 4. äthiopische Roundtable statt, der Kaffee als zentrales Thema hatte. Er stand unter dem diesjährigen Leitgedanken: “Marketing and Promotion Opportunities of Ethiopian Coffee”. Der Roundtable sollte dazu dienen, den äthiopischen Kaffeehandel zu besprechen und die aktuellen Entwicklungen aufzuzeigen.
Im Anschluss an den Roundtable fand der erste Cupping Caravan (Verkostungs Karawane) Äthiopiens in dieser Art statt. Mit mobiler Röst- und Verkostungsstation ging es in den Süden Äthiopiens. Der Cupping Caravan sollte die internationale Gruppe, bestehend aus 16 Mitgliedern aus fünf verschiedenen Ländern, in Kontakt mit lokalen Kooperativen und Kaffeefarmern bringen, um einen Dialog anzustoßen. Während des Cuppings Caravans wurde die Region Sidamo und hier im speziellen die Bauernverbände von Sidama und Yirgacheffee besucht. Bei jedem Stopp wurden mehrere Kaffees aus der Region verkostet und mit den Bauern über deren Erfahrungen gesprochen und versucht Fragen zu beantworten um von einander zu lernen.
Beide Unternehmungen, der Roundtable als auch der Cupping Caravan, wurden durch die USAID im Rahmen des “Ethiopia Agribusiness and Trade Expansion Activity” (ATEP) Programms initiiert und finanziert.
Hard Facts:
13000 km Reiseweg
davon 12000 km mit Flugzeug, und 1000 km mit Auto
mind. 50 Kontaktaufnahmen zu Kooperativen und/oder Kleinbauern
18 Vorträge
9 Verkostungen mit mehr als 50 Kaffees
6 Kohletabletten, dank Montesumas Rache
4 Kaffeezeremonien
1 einmaliges Erlebnis
Soft Facts:
Viele Gespräche mit Kleinbauern
Kennen lernen von Produktionsstätten des Kaffeeanbaus
Bessere Kenntnisse des äthiopischen Kaffeemarkts
Neue internationale Kontakte zu anderen Röstern
Viel leckerer Kaffee
In den folgenden Artikeln werde ich zum einen auf den Roundtable und die Änderungen im Kaffeehandel in Äthiopien eingehen. Zum anderen die allgemeinen Marktmechanismen besprechen. In einem weiteren Bericht soll dann der Cupping Caravan seinen Auftritt haben.
Einige Vorträge handelten von der oft schwierigen Situation, denen die Frauen hier in Äthiopien gegenüberstehen. Ich bin mir sicher, dies ist nicht nur in Äthiopien so, aber hier wurde es mir deutlich vor Augen geführt.
Hier einige Fakten in der Übersicht:
75% der Landarbeiter sind Frauen
Die Rolle der Frau in der Wertschöpfung während der Kaffeeproduktion ist groß, der Gewinn und die Autonomie ist gering
Nur 10% der 140 Kaffeeexport-Firmen in Äthiopien werden von Frauen geleitet
Die Kaffeezeremonie ist meist die einzige Freizeit für die Frauen auf dem Land – Kaffee hat daher nicht nur eine ökonomische, sondern auch eine soziale Funktion
Es ist schwer für Frauen an Kredite zu kommen, um eine eigene Farm zu unterhalten. Daher bleiben sie oft in Abhängigkeit von ihrem Mann oder der Familie
Zurzeit gibt es schon hiesige Bemühungen, durch eine spezielle Organisation den Frauen zu helfen. Ich werde versuchen, mich diesbezüglich auf dem Laufenden zu halten.
Nach dem gestrigen langen Flug ist nun der erste Tag in Addis Abeba vorüber.
Viele Eindrücke, viele Informationen zum Land und im Speziellen über Kaffee.
Insgesamt gab es heute 18 Vorträge, viel Input zum Verabeiten, aber langsam versteht man, wie der hiesige Kaffeehandel funktioniert.
Leider ist die Internetverbindung hier nicht sonderlich schnell, daher gibt es erstmal nur zwei Fotos, eins mit der Aussicht von meinem Hotelfenster und das andere vom Eingang zur Konferenz.
Abschließend bleibt mir nach den ersten Eindrücken nur zu sagen: Beeindruckendes Land und beeindruckende Menschen.
Durch die bald anstehende Reise nach Äthiopien, beschäftige ich mich schon im Vorfeld mit Land und Leuten.
Dabei stößt man unweigerlich auf die äthiopische Kaffeezeremonie, die stark in der äthiopischen Gesellschaft verwurzelt ist und bis zum heutigen Tag nach traditionellem Ritual verläuft. Bis zu vier Stunden kann die Zeremonie dauern und trägt zur familiären Zusammengehörigkeit, aber auch gastgeberischen Höflichkeit bei.
Ich hatte das Glück, hier in Hamburg, schon mal eine Kaffeezeremonie live zu erleben. So wie es die Tradition bedingt, wird die Zeremonie ausschließlich von Frauen durchgeführt. Die Äthiopierinnen haben uns am Tag des Kaffees 2007 einen sehr leckeren, wenn auch kräftigen Kaffee, zubereitet.
Ich hoffe natürlich, dass ich die Gelegenheit haben werde, vor Ort einer Kaffeezeremonie beizuwohnen. Dann werde ich ausführlich darüber berichten.
Bis dahin lege ich allen Interessierten folgendes Video ans Herz:
Äthiopien, Geburtsland des Kaffees und eines der afrikanischen Länder, das sein Los selbst in die Hand nimmt.
Hintergrund:
Die äthiopische Regierung und weitere Beteiligte haben im Jahr 2008 die ECX gegründet. ECX steht für Ethiopia Commodity Exchange, was auf deutsch eine Warenbörse (Produktenbörse) bezeichnet.
An der ECX werden verschiedene Agrargüter gehandelt, u.a. Kaffee, so dass Bauern ihre Güter an der Börse abliefern können, die dort anschließend zu einem festgesetzen Preis verkauft werden. Dies ermöglicht transparente Preise für Käufer und Verkäufer.
Mit Einführung der ECX hat sich viel im äthiopischen Kaffeehandel geändert, denn die ECX, so wie sie derzeit besteht, hat sowohl auf die Qualität als auch auf die Verfügbarkeit des Kaffees einen großen Einfluss ausgeübt.
Die Einführung der Börse hat für viel Gesprächsstoff in der Kaffeewelt geführt. Denn der ursprüngliche Nutzen – den Farmern in Äthiopien mehr Macht und ihnen die Möglichkeit zu geben ihre Produkte zu fairen Preise verkaufen zu können – ist zwar teilweise aufgegangen, aber durch die teils sehr restriktiven “Gebote” der Börse wurde in Fachkreisen von drastischen Einbrüchen im Kaffeeexport gesprochen.
Auswirkungen:
Für die Bauern bedeutet es teilweise bessere Erlöse für ihre Produkte. Dies trifft aber anscheinend hauptsächlich für andere Agaraprodukte als den Kaffee zu.
Für Importeuere und Röster macht dies, überspitzt ausgesprochen, die Verfügbarkeit der Sorten-Vielfalt zu nichte. Natürlich muss man erwähnen, dass diese Aussage unter der Prämisse des Spezialitätenkaffees gesehen werden muss. Die gute Nachricht ist, es wird an der Situation gearbeitet und es wird neue Wege geben, die hoffentlich zu aller Zufriedenheit beitragen. So ist eine “Direct Trade” Initiative angedacht, also direkter Handel “ausserhalb” der Börse.
Vor Ort:
Frei nach dem Motto “wenn einer eine Reise macht, dann hat er viel zu erzählen” werde ich kommende Woche nach Äthiopien reisen.
Die Reise soll dazu dienen ein besseres Verständnis für die dortige Situation zu bekommen, und um nicht immer nur auf Berichte aus zweiter Hand angewiesen zu sein. Ich werde in Addis Abeba an einem “Roundtable” teilnehmen, der lokale Interessensgruppen und externe Händler und Röster an einen Tisch bringt.
Anschließend führt mich die Reise noch zu den Kaffeeplantagen im Sidamo Gebiet.
Weitere Einzelheiten und Berichte zu diesem Thema folgen.
Zusätzliche Informationen:
Als Einstieg habe ich folgendes Video von einem TED Vortrag eingebunden. Der Vortrag wird von Eleni Zaude Gabre-Madhin gehalten, Mitbegründerin der ECX.
In den ersten 10 Minuten geht es um historische Vergleiche, um Beispiele von Börsen und um die Entwicklung Gesamtafrikas. Die letzten 10 Minuten handeln von der Ethiopia Commodity Exchange.
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